Wenn das Herz aus dem Takt gerät

By: | Tags: | Comments: 0 | November 2nd, 2023

Vorhofflimmern und die Folgen: Fakten, Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Das Herz schlägt gefühlt bis zum Hals, der Puls „stolpert“, man bekommt Luftnot: Ein Vorhofflimmern kann Angst machen – insbesondere,
wenn es zum ersten Mal auftritt. Was man zu dieser Störung wissen muss.

Vorhofflimmern ist nach Angaben der Deutschen Herzstiftung (DH) mit hierzulande fast zwei Millionen Betroffenen die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung – und eine Hauptursache für Schlaganfälle. Was passiert dabei im Körper? Welche Risikofaktoren gibt
es? Und worauf müssen Betroffene achten? Ein Überblick:

Herz aus dem Takt
Während eines Vorhofflimmerns schlägt das Herz unregelmäßig und schnell mit bis zu 160 Schlägen pro Minute, erläutert die DH. Auslöser für diese Herztakt-Probleme sind elektrische Fehlreize. Deren Ursprünge liegen meist in den Lungenvenen, die in den linken Vorhof des Herzens münden. Aufgrund des unregelmäßigen Herzschlags zucken die Vorhöfe rasch und unkoordiniert. In ihren Ausbuchtungen
können sich dadurch potenziell gefährliche Blutgerinnsel bilden, so die Herzstiftung weiter.

„Vorhofflimmern ist eine ernstzunehmende Herzrhythmusstörung“, warnt der Kardiologe Professor Thomas Voigtländer. Das Tückische: Manchmal trete es ohne größere Symptome auf. „Unbemerkt und unbehandelt kann Vorhofflimmern zur lebensbedrohlichen Gefahr bis hin zu Herzschwäche und Schlaganfall werden“, warnt der stellvertretende DHVorstandsvorsitzende. Durch das aus dem Takt geratene Herz können Betroffene Schwindel oder Luftnot entwickeln, und ihre Leistungsfähigkeit kann abnehmen. Ebenso können laut Voigtländer Herzschmerzen, vermehrtes Schwitzen, innere Unruhe und Angst sowie kurzzeitige Bewusstlosigkeit Anzeichen sein. „Das lässt man lieber umgehend ärztlich abklären.“

Mit dem Alter mehr Risiko
Die Zahlen zeigen deutlich: Das Risiko steigt mit dem Alter. Bei Menschen unter 50 Jahren liegt die Häufigkeit von Vorhofflimmern unter einem Prozent, bei Menschen über 80 Jahre sind es nach Angaben der Herzstiftung zwischen neun und 16 Prozent. Bluthochdruck ist ein großer Risikofaktor: Rund drei von fünf Personen mit Vorhofflimmern haben den Angaben nach auch Bluthochdruck. Wer neben Vorhofflimmern noch Bluthochdruck oder weitere Erkrankungen – zum Beispiel Herzschwäche, Diabetes oder COPD – hat, dessen Schlaganfall-Risiko steigt. „Wichtig ist gerade für diese Personen, regelmäßig ärztlich und auch selbst den Puls zu messen“, so Voigtländer.

Generell empfiehlt der Kardiologe älteren Menschen und Bluthochdruckpatienten, mit regelmäßigen Pulsmessungen den Takt des Herzens im Blick zu behalten und so mögliche unentdeckte Rhythmusstörungen rechtzeitig zu erkennen. Die DH stellt klar: Vorhofflimmern ist nicht unmittelbar lebensbedrohlich und auch nicht zu verwechseln mit dem Kammerflimmern, das innerhalb weniger Sekunden zum Herzstillstand führt. Dennoch sollte man es wegen des erhöhten Risikos für einen Schlaganfall oder für eine Herzschwäche ernstnehmen und behandeln. Es geht hierbei um die Vorbeugung von weiteren Gesundheitsgefahren und um die Ursachenbekämpfung.

Die Behandlungsoptionen
So werden womöglich Gerinnungshemmer verschrieben, um das Schlaganfallrisiko zu senken. Um die Herzrhythmusstörungen zu behandeln, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten: Eine ist die Verödung des für die Störungen verantwortlichen Gewebes im Herzen, um
die elektrischen Fehlimpulse zu unterbinden (Katheterablation), eine andere eine Operation.

Wenn das Vorhofflimmern selten auftritt und dann nicht lange andauert, kann es sinnvoll sein, zunächst nur mögliche auslösende Grunderkrankungen wie Bluthochdruck, COPD oder koronare Herzkrankheit konsequent zu behandeln. „Wichtig ist aber auch ein gesunder
Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung, ausgewogener Ernährung, ausreichend Schlaf, wenig Stress und nach Möglichkeit ohne Zigaretten
und Alkohol“, erläutert Voigtländer.

dpa